Verein für Sicherheit in Französisch Buchholz e.V.

Durch Schaden klug werden? Lieber nicht!

1. November 2018

(Quelle des Einleitungsbildes: Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes - https://www.k-einbruch.de/)

Am 28. Oktober 2018 war der Tag des Einbruchschutzes, der jährlich am Tag der Umstellung auf die Winterzeit stattfindet. BuSi erinnert daran, weil Anlass für die Vereinsgründung Ende 2015 bis dahin zunehmende Haus- und Wohnungseinbrüche in Französisch Buchholz waren. In seiner sehr lesenswerten Kolumne (Link) dazu weist Herr Dr. Jörg Freiherr Frank von Fürstenwerth vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. darauf hin, dass die Zahl der Einbrüche zwar sinke, aber die Fallzahlen immer noch zu hoch seien. Seinen Hinweis, dass es Zeit wäre, technische Mindeststandards für Türen und Fenster vorzuschreiben, damit guter Einbruchschutz bei Neubau und Sanierung zur Selbstverständlichkeit wird, unterstützt BuSi nachdrücklich. Denn: "Im Vergleich zu Nachrüstlösungen ist dies auch die wirtschaftlich sinnvollere Vorgehensweise." Berlin lehnt diese Forderung bislang ab, weil angesichts der Wohnsituation eine Senkung der Baukosten Vorrang habe. Deshalb werde die Förderung des Einbruchschutzes durch die KfW bevorzugt, so die Antwort von Herrn Geisel als ehemaliger Senator für Stadtentwicklung auf Nachfrage von BuSi im Januar 2017 (siehe Artikel dazu - Link).

Eine erste Aufgabe von BuSi nach Vereinsgründung war es festzustellen, wie häufig Haus- und Wohnungseinbrüche vor Ort vorkommen. Bald stellte sich heraus, dass die offizielle Polizeiliche Kriminalitätsstatistik eher eine Orientierung für das Feststellen gewisser Entwicklungen und Trends bestimmter Kriminalitätsformen als eine Grundlage für eine Bestandsfeststellung war. Allerdings wird in den Veröffentlichungen selbst auf die begrenzte Aussagekraft der Statistik hingewiesen. BuSi erfasste in einer internen virtuellen Ortsteilkarte eigene Erkenntnisse über Einbrüche, soweit diese natürlich gesichert, verlässlich und valide waren. Im Ergebnis war die tatsächliche Anzahl der Einbrüche in Buchholz pro Jahr deutlich höher als statistisch ausgewiesen. Im Diskurs genügen Zahlen allein aber nicht, sondern es ist erforderlich zu verstehen, wie diese Abweichungen zustande kommen. Zwar wird die Polizeiliche Kriminalitätsstatistik wiederholt beispielsweise von Polizeigewerkschaften angezweifelt, aber deren Ausführungen dazu sind nicht konkret genug. Zudem gibt es Dunkelfeldstudien, die sich auf der Grundlage von Befragungen der Bürger mit der Differenz zwischen den amtlich registrierten Straftaten (Hellfeld) und der vermutlich begangenen Kriminalität (Dunkelfeld) befassen. Diese Studien sind geeignet, bestimmten Fragen nachzugehen. 

Die Polizei Berlin weist auf ihrer Internetseite (Link) darauf hin, "dass die Aussagekraft der Polizeilichen Kriminalstatistik dadurch eingeschränkt wird, dass der Polizei ein Teil der begangenen Straftaten nicht bekannt wird. Art und Umfang dieses Dunkelfeldes hängt naturgemäß auch von der Anzeigebereitschaft der Bevölkerung und der Kontrollintensität der Polizei ab." Tatsächlich ist auch für Buchholz festzustellen, dass das Anzeigeverhalten von Geschädigten nach einem Einbruch ein Grund für unterschiedliche Fallzahlen sein kann, wenn nämlich zum Beispiel Einbrüche gar nicht erst bei der Polizei angezeigt werden. Aber warum? Nachfolgend stellt BuSi eine mögliche von mehreren Erklärungen dar:

Über den Einbruchschutz hinaus hilft eine Hausratversicherung und zwar bei "Einbruchdiebstahl, Vandalismus nach einem Einbruch sowie Raub oder den Versuch einer solchen Tat", so die Musterbedingungen. Die Hausratversicherung ist keine Pflichtversicherung. Versicherungsgesellschaften müssen Anträge auf diesen Versicherungsschutz nicht annehmen. Zudem können sie den Versicherungsvertrag nach einem Schadenfall einseitig kündigen. Ob Anträge angenommen oder Verträge fortgeführt werden, hängt oft von der individuellen Risikosituation des Versicherungsnehmers ab. Meist sind die Versicherungsnehmer zur Minderung von Risiken verpflichtet, indem sie zum Beispiel für ihr Haus oder ihre Wohnung einen mechanischen Mindestschutz gegen Einbruch oder Einbruchmelde- bzw. Gefahrenwarnsysteme installieren und betriebsbereit halten müssen. Alternativ oder zusätzlich werden teilweise sehr hohe Prämienzuschläge gefordert. Versicherungsnehmer, die bereits diverse Schäden gemeldet haben, werden meist abgelehnt. Ablehnung und Kündigung können ungünstige Folgen haben. Wird eine neue Versicherung beantragt, ist anzugeben, ob der Vorversicherer gekündigt oder abgelehnt hat. Auch Vorschäden müssen angegeben werden. Überdies erfolgt bei großen oder häufigen Schäden und anderen Auffälligkeiten ein Eintrag im Hinweis- und Informationssystem der deutschen Versicherungswirtschaft (Link).

BuSi ist der Fall eines Einfamilienhauses in Französisch Buchholz bekannt, bei dem 2014 und 2015 dreimal versucht wurde einzubrechen - glücklicherweise vergeblich. Jedes Mal entstand ein teurer Schaden vor allem an der Terrassentür, deren Türrahmen beim ersten Mal fast gänzlich aus dem Mauerwerk herausgerissen und nach Reparatur und technischer Verstärkung in den folgenden Versuchen durch Bohrungen und Hebelungen beschädigt wurde. Nach dem ersten Versuch wurde der Vertrag fortgeführt, aber die Prämie kräftig erhöht. Nach dem zweiten Versuch wurde der Vertrag gekündigt und ein neuer kam nicht zustande. Nun setzte die Schadenbegleichung durch die Hausratversicherung - wie in den meisten Versicherungsverträgen - voraus, dass "Schäden durch strafbare Handlungen gegen das Eigentum unverzüglich der Polizei anzuzeigen und dem Versicherer und der Polizei unverzüglich ein Verzeichnis der abhanden gekommenen Sachen einzureichen sind." Das heißt, dass wer keine Hausratversicherung hat, mitunter einen Haus- oder Wohnungseinbruch gar nicht erst bei der Polizei anzeigt. Und zwar vor allem dann nicht, wenn die Erfahrung gemacht wurde, dass das Verfahren von der Staatsanwaltschaft eingestellt wurde, weil Täter nicht ermittelt werden konnten, oder angesichts der niedrigen Aufklärungsquoten einem Erfolg wenig Zutrauen zugemessen wird. Nicht angezeigte Einbrüche werden folglich nicht statistisch erfasst. Auch bei vorhandener Hausratversicherung kann das Anzeigeverhalten von der Höhe einer möglichen Selbstbeteiligung oder des Schadens abhängen. Sodann stellt sich die Frage nach der Wahrscheinlichkeit. Die Anzahl an Hausratversicherungen in Deutschland ist hoch (siehe GDV - Link), aber es gibt regionale Unterschiede. Das liegt beispielsweise an der Höhe des verfügbaren Geldes oder am Wert von Haus oder Wohnung und des darin befindlichen Besitzes. Wer vielleicht in einer Datsche einer Kleingartenanlage wohnt, hat möglicherweise keine Hausratversicherung, Besitzer eines neuen Einfamilienhauses dagegen schon. Diese Unterschiede spiegeln sich auch in den BuSi bekannten Einbrüchen und Einbruchversuchen wieder.

Zusammengefasst sind dem Bundestrend folgend auch in Buchholz die Einbrüche weniger geworden, es waren und sind aber mehr als offiziell nachgewiesen und ein möglicher Grund dafür kann das Anzeigeverhalten sein, das wiederum vom Vorhandensein einer Hausratversicherung sowie von weiteren Faktoren und Erwägungen abhängen kann. BuSi rät dazu, Einbrüche und Einbruchversuche auf jeden Fall anzuzeigen, denn schon die daraus gewonnen Erkenntnisse können der Polizei helfen. Abschließend Herr Dr. Jörg Freiherr Frank von Fürstenwerth: "Wer jetzt allerdings glaubt, sich auf den Erfolgen ausruhen zu können, unterliegt einer Illusion: Wir sind weit von einer Lösung des gesellschaftlichen Problems Einbruchdiebstahl entfernt. ... Noch immer sind die Fallzahlen zu hoch, die Aufklärungsquoten zu gering. Auch muss niemand vor dem Hintergrund der psychischen Belastungen, die mit einem Einbruch einhergehen, erst durch Schaden klug werden. Daher sind die Anstrengungen zur Verbesserung der Prävention konsequent fortzuführen." 

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