Verein für Sicherheit in Französisch Buchholz e.V.

Corona: Sommerzeit = Einbruchzeit + Enkeltrickbetrug

24. Juni 2020

Sommerzeit = Einbruchzeit

Die Einschränkungen durch die Coronakrise und vor allem der Umstand, dass vermehrt Menschen zu Hause arbeiteten, haben es Einbrechern schwer gemacht. Wenn man diese Kriminalität wie eine unternehmerische Tätigkeit begreift, könnten die Sommerferien genutzt werden, um Verpasstes nachzuholen bzw. quasi Zielvorgaben noch zu erreichen. Die schrittweisen Lockerungen, von denen eben auch Einbrecher profitieren, sollten also Anlass sein, gerade jetzt besonders vorsichtig zu sein.

Wir weisen auf Warnungen der Polizei hin und geben hier stellvertretend eine aktuelle Warnung der Polizei Brandenburg (Link) wieder.

Enkeltrickbetrug

Das passiert nur anderen, aber mir doch nicht... Falsch! Die BuSi wurde auf so genannte Enkeltrickbetrüger aufmerksam gemacht, die auch in Französisch Buchholz zugeschlagen haben. Dazu hat die BuSi mit Betroffenen gesprochen und polizeiliche Unterlagen eingesehen. Die Polizei Berlin hat dazu eine aktuelle Warnung (Link) veröffentlicht, auf die wir hinweisen.

Wie läuft so etwas ab? Ein Beispiel:

Ein (angeblicher) „Familienangehöriger“ ruft an. Unter Tränen berichtet er, dass er sich mit Corona angesteckt habe und die Krankheit sich spontan und heftig entwickele. Er sei mit dem Helikopter in ein Krankenhaus gebracht worden und liege dort mit hohem Fieber auf der Intensivstation. Seine Lebenserwartung betrage laut ärztlicher Auskunft nur noch zwei Tage, aber er könne mit einem noch nicht zugelassenen Medikament gerettet werden. Dieses wäre aber sehr teuer (ca. 100.000 Euro) und es müsste bar bezahlt werden, weil die Krankenkasse die Kosten nicht übernehme. Die erste Spritze könnte sofort verabreicht werden, wenn in der nächsten Stunde eine Vorauszahlung in Höhe von 20.000 Euro an das Krankenhaus geleistet werde.

Der „Familienangehörige“ stehe in ständigem Kontakt mit dem verantwortlichen Arzt, aber dessen Namen kenne er nicht, denn auf der Intensivstation rennen so viele Ärzte geschäftig hin und her. Er könne sich das alles nicht merken, zumal er ja schwach sei. Weil das Medikament noch nicht zugelassen sei, dürften auf gar keinen Fall andere Personen hinzugezogen werden, damit der Arzt keinen Ärger bekommt. Der Arzt fürchte auch den Medienrummel, der entstehen würde, wenn andere davon erführen. Leider könne der „Familienangehörige“ nicht zurückgerufen werden, weil man ihm alles weggenommen hat; im Bett liege er nackt.

Fällt man auf diese Lügen herein, wird eine Geldübergabe in der Nähe des eigenen Wohnortes vereinbart wie etwa auf dem Parkplatz eines Supermarktes. Der „Familienangehörige“ benennt dafür eine Person, die absolut vertrauenswürdig sei, weil sie zum Beispiel die Assistentin des behandelnden Arztes sei. Hat man die 20.000 Euro nicht parat, aber weniger, jedoch immer noch eine bedeutende Summe, so lassen sich die Betrüger mitunter darauf ein.

Man muss davon ausgehen, dass man von den Betrügern schon ab dem Verlassen des Hauses oder der Wohnung bis zum Ort der geplanten Geldübergabe beobachtet wird. Nach der Geldübergabe erhält man sogar eine Empfangsbescheinigung, die dem Anschein nach durchaus als echt empfunden werden könnte. Mit der kann man leider nichts anfangen, denn das Geld ist unwiderruflich weg.

Ein ebenfalls erschreckendes Detail könnte hinzukommen: Aus einem Buchholzer Fall lassen die Umstände rückschließen, dass Betrüger beispielsweise am S-Bahnhof Blankenburg in den 154er Bus steigen, um gezielt Senioren bis zu ihren Häusern und Wohnungen zu verfolgen. Wenn die Senioren telefonieren, dies altersbedingt vielleicht lauter als gewohnt, wird versucht, Namen von Angehörigen auszukundschaften. Das Ansehen des Wohnhauses vermittelt den Betrügern vielleicht einen Eindruck von erheblichen Werten und anhand des Namens am Klingelschild werden Telefonbucheinträge oder ähnliches durchsucht, um sich als Familienangehörige auszugeben.

Das alles ist hoch professionell organisiert. Ist man hereingefallen, tritt oft Scham ein, wenn man den Betrug bemerkt hat, weil sich vielleicht der echte Familienangehörige zwischenzeitlich als kerngesund gemeldet hat. Trotz dieser Scham ist es enorm wichtig, sich an die Polizei zu wenden. Denn zum einen könnte die Polizei den Betrug aufdecken und zum anderen kann die Polizei wichtige Erkenntnisse gewinnen, die anderen helfen würden. Und dazu etwas beigetragen zu haben, kann den Opfern durchaus zur Bewältigung des Schamgefühls helfen, so die Erkenntnis der BuSi.

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